Nach unserem Beitrag über Pakistan setzen wir unsere Reihe der Local Heroes fort. Diesmal geht es in diesem Blogartikel um die Supply Chain Indien, die durch die langjährige Partnerschaft von SupplyX und Jeena & Company geprägt wird. Mit Jeena & Company stellen wir einen der letzten großen unabhängigen Logistikdienstleister des Landes vor. Im Interview spricht Sam N. Katgara über die langjährige Partnerschaft mit SupplyX. Er berichtet von den Herausforderungen des indischen Marktes und erklärt, warum Vertrauen entscheidend ist.
Jeena & Company mit Hauptsitz in Mumbai blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Das Familienunternehmen ist seit 125 Jahren im Geschäft und wird mittlerweile in vierter Generation geführt. Das Unternehmen hat 27 Standorten in Indien und ein globales Partnernetzwerk. Es bietet umfassende Logistiklösungen für Exporte und Importe. Damit ist Jeena & Company genau der richtige Partner für SupplyX und unsere europäischen Kunden.
Herr Katgara, seit wann besteht die Partnerschaft von Jeena & Company mit der Otto Group/SupplyX?
Sam N. Katgara: Die Otto Group ist einer unserer ältesten Partner. Wir befinden uns nun im 41. Jahr unserer Zusammenarbeit. Zwar pflegen wir auch mit anderen Partnern in verschiedenen Ländern langjährige Beziehungen von bis zu 35 Jahren, aber ich würde sagen, dass das, was wir mit SupplyX haben, in ihrer Qualität und Beständigkeit etwas Besonderes ist.
Was macht Ihr Unternehmen zu einem Local Hero in Indien?
Sam N. Katgara: Wir sind ein besonders zuverlässiger, etablierter und regelkonformer Spediteur und Zollagent. Darüber hinaus gehören wir heute zu den letzten verbliebenen unabhängigen Unternehmen unserer Größenordnung in Indien.
Ein Großteil unserer lokalen Wettbewerber wurde von multinationalen Konzernen übernommen oder ist infolge der Corona-Pandemie nicht mehr am Markt aktiv. Diese Eigenschaften machen uns zu dem, was SupplyX einen Local Hero nennt. In Indien zählen wir wahrscheinlich zu den letzten Unternehmen dieser Größenordnung.
Welche spezifischen Kenntnisse und Erfahrungen bringen Sie in die Partnerschaft ein?
Sam N. Katgara: Das Geschäft mit Otto Group und Indien begann Mitte der 80er Jahre und war zu Beginn noch von geringerer Bedeutung. Im Laufe der Zeit konnten wir der Otto Group den Einkauf in Indien deutlich erleichtern. Wir bieten verlässlichen Service und sorgen für transparente, präzise Informationen. Unsere Partner wussten jederzeit genau, wo sich ihre Waren befinden und wann sie ihr Ziel erreichen.
Gerade weil Indien im globalen Kontext kein einfaches Marktumfeld ist, hat diese Verlässlichkeit maßgeblich dazu beigetragen, das Vertrauen von SupplyX in den Beschaffungsmarkt Indien zu stärken. Auf dieser Basis hat sich die Zusammenarbeit kontinuierlich weiterentwickelt, sodass Otto Group heute zu unseren wichtigsten Kunden und strategischen Partnern zählt.
Als lokal verankerter Spediteur mit langjähriger Markterfahrung verfügen wir über ein tiefgehendes Verständnis der indischen Logistiklandschaft. Dieses Wissen haben wir gezielt in die Entwicklung eigener Systeme eingebracht, da keine Standardlösung den spezifischen Anforderungen des indischen Marktes gerecht wurde. Unsere Systeme sind individuell auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten. Sie berücksichtigen Zollprozesse, Hafen- und Flughafenstrukturen sowie die Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften, Reedereien und Transportunternehmen. So können wir unseren internationalen Partnern Echtzeitinformationen bereitstellen und ihnen damit wiederum die Grundlage für einen verlässlichen und transparenten Service gegenüber ihren eigenen Kunden bieten.
Welche konkreten Vorteile bietet die Partnerschaft mit SupplyX Ihren Kunden?
Sam N. Katgara: In jeder Partnerschaft ist Transparenz der entscheidende Faktor für Vertrauen. Genau diesen Vertrauensfaktor haben wir im Hinblick auf den Service, auf Tarife und Margen über viele Jahre hinweg gemeinsam mit SupplyX aufgebaut. Auf dieser Grundlage ist es uns gelungen, unser Geschäft fortlaufend aufzubauen und uns trotz intensiven Wettbewerbs erfolgreich zu behaupten. Dieses Vertrauen ist der wesentliche Beitrag, den wir leisten.
Auch wenn es ungewöhnlich klingen mag: Noch immer besteht gegenüber indischen Unternehmen häufig Zurückhaltung. Wir tragen aktiv dazu bei, dieses Bild zu verändern und zu zeigen, dass es sehr wohl verlässliche und vertrauenswürdige Partner gibt – so wie uns.
Welche typischen Herausforderungen gibt es in Indien im Bereich Logistik und Supply Chain Management?
Sam N. Katgara: Es gibt praktisch keinen Tag, an dem man ins Büro kommen und sagen kann: Heute wird ein ruhiger Arbeitstag in Indien. Es ist immer etwas los, ständig treten neue Herausforderungen auf. Irgendwo gibt es einen Streik, eine Überschwemmung, eine Hungersnot oder einen Hitzeschlag. Da wir landesweit tätig sind, gibt es immer irgendwo eine Situation, die kurzfristig gelöst werden muss.
Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um?
Sam N. Katgara: Ein zentraler Faktor ist unser Team, das sich durch ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und Flexibilität auszeichnet. Die Bereitschaft, zusätzliche Wege zu gehen, ist fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Wir passen uns kontinuierlich an neue Gegebenheiten an, beispielsweise, indem wir bei Streiks oder Rückstaus an einzelnen Flughäfen auf andere Standorte ausweichen. Gleiches gilt für Häfen, bei denen wir auf mehrere Optionen zurückgreifen können.
Kommt es zu Engpässen im Luftfrachtbereich, verlagern wir Transporte auf den Seeweg, etwa über Dubai oder Singapur, und organisieren von dort aus die Weiterbeförderung. Weitere Herausforderungen entstehen durch verspätete Lieferungen von Lieferanten. In solchen Fällen arbeiten wir auch über Nacht, holen notwendige Sondergenehmigungen ein und stellen sicher, dass die Ware dennoch termingerecht verladen wird. Diese Situationen betrachten wir inzwischen nicht mehr als Ausnahmen – sie sind Teil unseres täglichen Geschäfts geworden.
Wie schätzen Sie die Entwicklung des Logistikmarktes in Indien ein?
Sam N. Katgara: Wir befinden uns derzeit in einer sehr günstigen Ausgangssituation. Während viele Länder weltweit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, geopolitischen Spannungen und Sanktionen konfrontiert sind, entwickelt sich Indien weiterhin dynamisch. Indien gehört zu den wenigen Märkten, die sowohl im Export als auch im Import stark aufgestellt sind. Dadurch bleibt die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen stabil.
Unabhängig davon, ob sich die Import- und Exportaktivitäten stärker entwickeln, wird es kontinuierlich Bedarf an unseren Leistungen geben. Insgesamt bietet der Markt somit langfristig sehr gute Perspektiven.
Herr Katgara, wir danken Ihnen für das Gespräch.